Im Dialog mit Bürgerinitiative

Sep 16 2018

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Unmittelbar an der Autobahn 45 und der Bundesstraße 455 werden in naher Zukunft 500 Arbeitsplätze und 20 Ausbildungsplätze entstehen. Die REWE Group errichtet dort ein neues Logistikzentrum. Das Gemeindeparlament hat sich ausführlich und in zahlreichen Sitzungen mit dem Thema beschäftigt. Das Projekt ist für unsere Gemeinde eine große Chance. Das sehe ich nach gründlicher Abwägung ebenso, wie die parteiübergreifenden Mehrheiten in Wölfersheim, im Kreis und auf regionaler Ebene. Doch nicht jeder ist mit dieser Entwicklung einverstanden. Am heutigen Sonntag war ich zu Gast bei der Bürgerinitiative „Bürger für Boden“ auf dem Echzeller Römerhof. Die Argumente sind gut und fundiert, daher bin ich gern nach Echzell gekommen, um mich den Fragen der Kritiker zu stellen. Wir haben nichts zu verbergen und ich hoffe, dass viele inhaltlich falsche Argumente der BI entkräftet werden konnten.

Zunächst hatte ich die Gelegenheit, den anwesenden Gästen, in vier Themenblöcken aufgeteilt, zu erläutern, worin ich die Vorteile der REWE-Ansiedlung sehe. Ich ging daraufhin intensiv auf die zahlreichen positiven Effekte der Ansiedlung ein. Neben dem kalkulierten Gewinn aus dem Grundstücksverkauf sind auch die deutlich spürbaren jährlichen Steuereinnahmen aus Gewerbe- und Grundsteuer nicht zu verachten, die in die Infrastruktur der Gemeinde, wie Kindergärten, Friedhöfe und Mehrzweckhallen, investiert werden können und somit den Geldbeutel der Wölfersheimer Bürger entlasten werden. Es wurde kürzlich im Gemeindeparlament kritisiert, dass wir noch keine Finanzkalkulation veröffentlichen können. Es wäre aber zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg unseriös, konkrete Zahlen zu nennen, obwohl wesentliche Kostenfaktoren wie beispielsweise Erschließung und Lärmschutz noch nicht final festgelegt sind. Die Kosten für solche Planungen sind enorm und es ist verständlich, dass sie deshalb erst im Laufe des Verfahrens konkretisiert werden können. Es ist aber wohl klar, dass wir das Projekt nicht befürworten würden, wenn die Gemeinde Geld dazulegen müsste.
Ich stellte auch klar, dass das Finanzielle für uns aber nie alleine entscheidend war. Es geht um Arbeitsplätze für die Menschen in unserer Region und um Ausbildungsplätze und somit Lebensperspektiven für die jungen Menschen, die heute unsere Schulen besuchen. Im REWE-Lager werden bald mehr als 500 Arbeitnehmer und 20 Auszubildende Arbeit finden, die ansonsten weite Wegstrecken hätten auf sich nehmen müssen. Dies entfällt nun, da das neue Lager in Wölfersheim direkt in der Mitte zwischen den momentanen Standorten Hungen und Rosbach liegt. Hier werden in Zukunft auch vermehrt Menschen aus Wölfersheim und Echzell arbeiten, da der Altersdurchschnitt der REWE Mitarbeiter relativ hoch ist.
Die Entscheidung, ob sich REWE in Wölfersheim ansiedeln solle, wurde sowohl im Gemeindevorstand als auch in der Gemeindevertretung lange und intensiv beraten. Vielmehr ist das Projekt in unzähligen Sitzungen ausführlich diskutiert worden und letztlich habe sich in allen Parlamenten, in denen es auf der Tagesordnung stand, eine parteiübergreifende Mehrheit gefunden, die sich für das Logistikzentrum an dieser Stelle ausgesprochen hat. Von einer „Nacht- und Nebelaktion“, von der Gegner des Projektes oft sprechen, kann hier nicht die Rede sein. Eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite darf kein Schnellschuss sein. Nach Abwägung aller Aspekte war aber fast allen Beteiligten klar, dass die Vorteile der Ansiedlung des zweitgrößten Arbeitgebers in Hessen den Nachteil des Flächenverbrauches überwiegen. Darüber hinaus können auch Bürger im Rahmen der geplanten Offenlage Stellung zum Flächennutzungsplan und zum Bebauungsplan nehmen. Zum Ende des Jahres wird im Rahmen einer solchen Offenlage auch eine Informationsveranstaltung durchgeführt werden.

Im Anschluss an die einzelnen Themenblöcke wurden Fragen aus den Reihen der Gäste gestellt. Auf die Frage des zunehmenden Verkehrsaufkommens angesprochen konnte ich den Anwesenden mitteilen, dass durch den momentan schon vorhandenen und in Zukunft wegfallenden Pendelverkehr zwischen Rosbach und Hungen es zu keinem Mehraufkommen an Verkehr kommen wird. Zudem sollen die Straßenkreuzung zwischen Bundes- und Kreisstraße sowie die Zu- und Abfahrten zur Autobahn ausgebaut werden. Eindeutig beantwortete ich auch die Frage nach der Größe des Gebäudes: Das Gebäude wird sehr groß und gut sichtbar, da braucht man nicht drumherum reden. Die Fragen nach der Beleuchtung des Geländes, des Wasserverbrauches und der Einleitung des Regenwassers in den nahegelegenen Waschbach wurden ebenfalls ausführlich diskutiert und beantwortet. Mir wurde deutlich, dass viele in der Vergangenheit öffentlich vorgebrachten Argumente der Projekt-Gegner inhaltlich falsch sind. Ich bin mir aber auch sicher, dass es einige Projektgegner geben wird, die sich durch kein noch so großes positives Argument, das für die Ansiedlung spricht, umstimmen lassen werden.

Ich bedankte mich ausdrücklich noch einmal für die Einladung auf den Römerhof und biete den interessierten Zuschauern und allen anderen Bürgern an, dass sie sich bei Fragen rund um die Ansiedlung direkt an mich wenden können. Eine gute Gelegenheit hierfür ist meine Bürgersprechstunde im Rathaus, die allen Interessierten offen steht.

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