Wie soll sich Wölfersheim in den nächsten zwei Jahren weiterentwickeln

Nov 05 2019

Card image cap

In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung durfte ich den Haushaltsplan für die kommenden beiden Jahre vorstellen. Wir investieren nachhaltig mehr als 20.000.000 Euro in unsere kommunale Infrastruktur.
Hiervon profitieren alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde. 
Meine Rede zur Haushaltsplaneinbringung finden Sie hier auf meiner Internetseite. 
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und stehe Ihnen bei Fragen zu unserem Haushalt, selbstverständlich über das Kontaktformular auf dieser Homepage Verfügung.

Viele Grüße

Ihr Eike See

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,

Herbert Meyer und Gerd Wächter stellten in einer ihrer letzten Lesungen die Frage an die Zuhörer: Was beutetet für Sie „Heimat“?  Jeder von uns beantwortet diese Frage anders. 

Wir alle hier haben aber einen gemeinsamen Nenner, den wir als unsere Heimat bezeichnen: Unsere Gemeinde, unser Wölfersheim.
Wenn ich jetzt in die Runde frage, welcher Ort speziell Ihnen wichtig ist, kommt wahrscheinlich von jedem eine andere Antwort. Frage ich Karl-Ernst Pulkert sagt er, der Södeler Herrengarten, Franz Grolig nennt uns den Röhrbrunnen im alten Wölfersheimer Ortskern, er sieht ihn ja jeden Tag, Burhard Käs zählt selbstverständlich die Berstädter Gut Stubb, den Tanzhof auf, für Helmut Grenzebach steht fest, das historische Rathaus in Wohnbach, das ist mir besonders wichtig. Und schaue ich hinter mich zum Gemeindevorstand kommt von Dr. Polster wie aus der Pistole geschossen: Der Melbacher Haag, was denn sonst.

In Wölfersheim wohnen rund 10.000 Menschen, und wahrscheinlich kommen, wenn man jeden nach dem Ort fragt, der einem wichtig ist, mehrere hundert Orte zusammen, die wichtig sind und um die wir uns als Gemeinde kümmern dürfen. 

Und genau diese Tatsache, meine Damen und Herren, ist für mich und mein Team die große Herausforderung bei der Haushaltsplanaufstellung gewesen. Wir haben uns ganz bewusst die Frage gestellt, was ist für uns Heimat, was macht die Gemeinde Wölfersheim aus, und wie können wir sie in den nächsten Jahren weiter entwickeln, so dass möglichst viele davon profitieren werden.

Wölfersheim ist einer der großen Schulstandorte in der Wetterau, und da liegt es auf der Hand, dass wir eng mit den beiden Schulen und dem Kreis zusammenarbeiten, uns regelmäßig austauschen und wichtige Projekte besprechen. 
Für den Schulstandort Södel benötigen wir dringend eine Lösung im Bereich der Turnhalle. Täglich besuchen mehr als 350 Kinder die Grundschule und treiben hier natürlich auch Sport. Wir haben im letzten Jahr die Södeler Turnhalle intensiv durch das Architektenbüro Grüninger aus Darmstadt untersuchen lassen. Wir wollten wissen, was müssen wir machen, um die Turnhalle energetisch, räumlich und auch optisch zu ertüchtigen. Das Ergebnis ist eindeutig. Eine Ertüchtigung der Turnhalle macht keinen Sinn. 4.000.000 Euro müssten aufgrund mangelnder Statik, schlechter Dämmung, veralteter Heizanlage und in die Jahre gekommene Ausstattung in die Hand genommen werden, um die Halle zu sanieren. 
Im Jahr 2016 wurde in Hungen eine neue Dreifeldsporthalle für die dortige Schule eingeweiht, der Preis für die Halle belief sich auf 3,8Mio€. Aufgrund dieser Tatsache empfehlen wir Ihnen, liebe Gemeindevertreter, die Södeler Turnhalle nicht zu sanieren, sondern eine neue Halle zu bauen. Wir haben das große Glück, dass wir oberhalb des Södeler Sportplatzes eine Fläche im Eigentum haben und hier ein B-Plan bereits vorhanden ist, der den Bau einer Turnhalle zulässt. Darüber hinaus hat sich der Kreis zu einer Ko-Finanzierung bereiterklärt. Von einer solchen Finanzierung haben sowohl die Schülerinnen und Schüler aus allen Ortsteilen als auch viele Wölfersheimer Vereine bereits auf dem Singberg profitiert. Nun bietet sich die Möglichkeit, ein vergleichbares Projekt auch an der Jim-Knopf-Schule zu realisieren. Neben der Schule wird die Halle bereits heute von sechs Vereinen aus drei Ortsteilen rege genutzt und ist, gerade in den Wintermonaten, an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Es handelte sich momentan ja auch nur um eine Zweifeldsporthalle, mit nicht einfahrender Tribüne und einem Vorhang, der die Halle extrem unvorteilhaft, nämlich nicht mittig, unterteilt.
Diese Probleme und natürlich das energetische schwarze Loch, nicht mehr und nicht weniger ist die Södeler Turnhalle (wir verbrauchen hier in einem Winter so viel Energie, wie in der Singbergturnhalle in 5 Jahren!), würden wir damit lösen.
Auf diesem Weg könnten wir gemeinsam mit dem Kreis den Schulstandort weiter qualitativ aufbessern und mehrere hundert Wölfersheimer Sportler fördern. 

Auf dem Singerberg müssen wir ebenfalls aktiv werden. Der Kunstrasenplatz ist mittlerweile 20 Jahre alt und abgenutzt. Die Erneuerung des Platzes kommt ebenfalls wieder sowohl den Schülern, als auch allen Fußballvereinen aus unserer Gemeinde, die trainieren hier nämlich alle im Winter, und unserem Football-Verein zugute. 

Da in unserer gemeindeeigenen Infrastruktur das Vereinsleben aller Ortsteile stattfindet und unsere Vereine, vollkommen zu Recht, immer wieder als Rückgrat unserer Gesellschaft bezeichnet werden, haben mein Team und ich uns dazu entschieden, das erste offizielle Wölfersheimer Vereins-Infrastruktur-Förderprogramm (kurz VIP) in unseren Investitionsplan aufzunehmen.
Neben dem Neubau der Södeler Turnhalle und dem Wölfersheimer Kunstrasenplatz befinden sich folgende Punkte in unserem VIP:
- die Renovierung des Vereinsheims in Melbach,
- die Erweiterung des Melbacher Übungsplatzes, samt neuer Flutlichtanlage und einem neuem Ballfangzaun für den Hauptplatz, 
- die Renovierung des Vereinsheims in Wohnbach,
- eine Akustikdecke für die TSH in Wohnbach, hier steht ja in zwei Jahren das 1250-jährige Ortsjubiläum an,
- die energetische Dachsanierung und eine Jalousieanlage in der MZH Berstadt,
- neue, energetisch optimale, Fenster für den Berstädter Glaspalast und 
- eine Jalousieanlage hier in der Wetterauhalle.
Natürlich finden Sie neben all diesen VIP-Projekten auch noch Investitionen für laufende Instandhaltungen und Neuanschaffungen für Geräte, die in unseren Gemeinschaftshäusern benötigt werden.

Neben unseren Schulen und unseren Vereinen haben wir erneut einen Schwerpunkt auf unsere Feuerwehren gelegt.
25.000 Euro finden Sie im Haushaltsplan für verschiedene Baumaßnahmen und den Erwerb von Kleingeräten für alle Wehren, einen neuen Rüstwagen für 400.000 Euro für die Wölfersheimer Feuerwehr und 3.000.000 Euro für den Bau des neuen gemeinsamen Gerätehauses für die Södeler und Melbacher Wehren. Ich freue mich sehr darauf, Ihnen in der nächsten Bauausschusssitzung erstmals die mit dem Kreis- und Gemeindebrandinspektor abgestimmten Pläne des neuen Gerätehauses präsentieren zu können. Ich verspreche nicht zuviel, wenn ich Ihnen schon heute sage, dass das neue Gerätehaus beide Ortsteile im Bereich des Brandschutzes hervorragend aufstellen wird. Wenn das neue Gerätehaus steht, werden dann für die neue Wehr auch neue Fahrzeuge angeschafft, die beiden momentan vorhandenen TSF-Ws sind dann schon über 25 Jahre alt. —> WEGEN ALTER DER FZG RÜ SVEN GÜNTHER

Eine hochwertige Kinderbetreuung ist uns allen wichtig! Aus diesem Grund investieren wir auch in den nächsten beiden Jahren wieder kontinuierlich in den Ausbau unserer Kindergärten. Sie finden im Haushaltsplan Mittel für den Umbau der alten Apotheke zu einer zweigruppigen Einrichtung, sowohl für U- als auch für Ü3-Kinder. Sie finden die Mittel für die Erweiterung der Kinderstube am Weißen Turm und Sie finden darüber hinaus 125.000 Euro für verschiedene weitere Baumaßnahmen im Bereich der Kindergärten. Die Bildung unserer Kinder ist uns wichtig. Das ist in Wölfersheim keine Phrase, das ist gelebte Realität, und darüber können wir alle froh sein. 

Die Wetterau ist landwirtschaftlich geprägt. Dieser Tradition sind wir uns bewusst und pflegen sie auch. Aus diesem Grund ist die Gemeinde Wölfersheim auch Eigentümer von mehreren hunderten Feldwegen. Diese Feldwege werden sowohl von unseren Landwirten als auch von Fahrradfahrern genutzt. Damit diese Wege weiterhin in Schuss bleiben, finden Sie im Haushaltsplan für die nächsten 5 Jahre jeweils 100.000 Euro für deren Instandhaltung.


Das touristische Highlight in unserer Gemeinde ist ohne jeden Zweifel der Wölfersheimer See. Da uns leider immer noch nicht / alternativ leider jetzt erst die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen zugegangen sind, konnten wir dieses Jahr nicht über die Verbesserung der Wasserqualität in unseren Gremien reden. Damit ist das Thema allerdings nicht in Vergessenheit geraten, auch für die nächsten beiden Jahre finden Sie finanzielle Mittel im Haushaltsplan, um das ökologische Gleichgewicht im See zu verbessern.

Eine der meistgestellten Fragen an mich lautet: „Gibt es etwas Neues zum Thema Neubaugebiet“? Aufgrund voller Auftragsbücher und noch offener Abstimmungen mit Hessen-Mobil zum Thema Ausfahrt auf die Kreisstraße verzögert sich leider der Verkauf der Grundstücke. Für das nächste Jahr ist der Verkauf allerdings fest eingeplant. Hier können wir in den nächsten Monaten die Grundlage dafür schaffen, dass weiterhin sowohl Einheimische als auch Menschen von ausserhalb günstigen Wohnraum bei uns finden können. Besonders freue ich mich darüber, dass sich bereits heute schon ortsansässige Unternehmer und Privatpersonen dazu bereit erklärt haben, rund 50 bezahlbare Mietwohnungen im Ortsteil Södel zu errichten. 

Ergänzt wird dieses Angebot im Ortsteil Melbach. Hier können wir mit Hilfe des Büros GSW, das Sie alle aus unserer Ortskernsanierung kennen, weitere fast 50 Wohneinheiten schaffen. GSW führt gerade Gespräche mit zwei ortsansässigen Firmeninhabern, die dieses Projekt stemmen möchten. Wir als Gemeinde und ich als Bürgermeister werden hier jede Unterstützung geben, die notwendig ist. Mehr dazu erfahren Sie im Laufe der Ausschussrunden zur Beratung des Haushaltsplanes.

Auch das Thema Umweltschutz kommt im Haushalt nicht zu kurz. Neben der bereits erwähnten Verbesserung der Energiebilanz der Turnhalle Södel und der Verbesserung der Wasserqualität im See steht der Austausch der Heizzentrale für unsere größte zusammenhängende Mieteinheit in der Biedrichstraße an. 
Die Mittel für unser Blühwiesenkonzept sind zwar vergleichsweise gering, allerdings nicht weniger wichtig. Das Schöne bei diesem Thema ist, dass man hier schon mit einem vierstelligen Betrag viel erreichen kann. 
Was nicht mit ein paar tausend Euro erledigt ist, ist der Umbau des Außengeländes des Bahnhofes. Wenn wir das Bahnfahren in Wölfersheim attraktiv machen wollen, wenn wir den Menschen aus dem Auto heraus in die Bahn bringen wollen, wenn wir etwas Gutes für unsere pendelnden Bürger und gleichzeitig für die Umwelt machen möchten, da sind wir uns - denke ich - alle einig, müssen wir zwingend das Außengelände des Bahnhofes umgestalten. Die Mittel dazu stehen ebenfalls im Haushaltsplan bereit  

Auf die wichtigsten rathausinternen Punkte möchte ich auch noch kurz eingehen. Unsere Projekte sind vielfältig, anspruchsvoll und zweifelsohne auch zahlreich. Mein Team ist motiviert und soll es auch bleiben. Aus diesem Grund finden Sie im Haushaltsplan auch eine Investitionsnummer für einen Umbau im Rathaus. Die Büroaufteilung meiner Bauabteilung ist aus den 90er-Jahren und nicht mehr zeitgemäß. Teilweise sitzen 8 Mitarbeiter in zwei Büros. Parallel werden dann Gespräche mit Mietern, Handwerkern, Hausmeistern, Bürger, die einen Bauplatz kaufen wollen, und Hinterbliebenen, die Fragen zu einer Bestattung haben, geführt. Die Lautstärke in solchen Situationen ist extrem, und Diskretion ist oft nur schwer bis gar nicht einhaltbar. Dieser Zustand ist für mich als Chef nicht haltbar und muss dringend abgestellt werden.

Damit meine Mitarbeiter Bauprojekte schneller und kostengünstiger realisieren können, wollen wir unsere Gebäudepläne digitalisieren. Ebenfalls wollen wir unser Dokumentenmanagementsystem erweitern, und die Vorbereitungen für das Onlinezugangsgesetz müssen geschaffen werden. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses wissen, wovon ich rede. Letzte Woche haben Herr Herrmann, Herr Göbel und Herr Höhne 75 Minuten unsere Digitalisierungsstrategie vorgestellt, und das Onlinezugangssgesetz spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. 

Für all diese Projekte benötigt man natürlich Personal, Sie finden im Haushalt daher  neue Stellen für unseren neuesten Kindergarten, die KITA Löwenherz, die zum neuen KITA-Jahr fertig sein soll und auch neue Mitarbeiter für den Bauhof.

Die Frage, welcher Ort oder was genau für jeden einzelnen Wölfersheimer wichtig ist, kann weder mein Team noch ich in einem Satz oder in einer Rede beantworten. Was wir allerdings machen können ist, mit unserem täglichen Handeln daran zu arbeiten, dass sich möglichst viele Wölfersheimer bei uns wohlfühlen und gerne hier leben. 
Mit dem Doppelhaushalt 2020/2021 schaffen wir die Grundlage dafür. Egal ob KITA-Kind oder Erziehungsberechtigter, ob Schüler oder Rentner, ob Vereinsmensch oder Landwirt, ob Feuerwehrmann oder Fahrradfahrer, wir haben an alle gedacht und den Haushalt auch dementsprechend aufgebaut.
Und dies alles, meine Damen und Herren, ohne Steuererhöhung. Wir sind trotz Investitionen von mehr als 20.000.000 Euro in zwei Jahren immer noch eine der günstigsten Kommunen bei der Grundsteuer für bebaute Grundstücke. So entlasten wir finanziell alle Wölfersheimer, egal ob Mieter oder Immobilieneigentümer. Bedanken können wir uns an dieser Stelle bei allen Unternehmen hier vor Ort. Ohne unsere ortsansässigen Firmen und deren Gewerbesteuerzahlungen könnten wir nicht mal ansatzweise das leisten, was wir in den nächsten beiden Jahren vor uns haben.
Die weit mehr als 2.000 Arbeitsplätze in unserer Gemeinde sind aber nicht nur gut für unsere Gemeindekasse, sie bringen auch Wohlstand in unsere Haushalte und in die Haushalte unserer Region. Bildung und Wohlstand sind zwei wichtige Antworten gegen Extremismus und politische Irrwege. Lassen Sie uns daher auch in Zukunft daran arbeiten, dass den Wölfersheimerinnen und Wölfersheimern unserer Gemeinde und nicht scheinbare politische Alternativen weiterhin wichtig ist, dass wir alle gerne hier leben und dass wir unsere Gemeinde gerne als unsere Heimat bezeichnen.

Danke und Glück auf 

Zurück